Der Brexit und sein Einfluss auf die deutsche Immobilienlandschaft

Städte wie München, Frankfurt, Düsseldorf oder Berlin erleben zurzeit einen regelrechten Immobilienboom, der laut einiger Experten und Prognosen auch vorerst kein Ende finden soll. Dabei wird eine Stadt wohl möglich besonders teuer, nämlich Frankfurt. Doch wo andere Städte vor allem in den niedrigen Zinsen und einer guten wirtschaftlichen Lage in Deutschland die Ursache für ihr Wachstum finden, könnte der potenzielle Abschied Großbritanniens aus der EU – der sogenannte Brexit – Frankfurt zu einer noch ersuchteren Stadt machen. Der Grund für einen möglichen Preisanstieg ist recht simpel: London gilt als einer der Knotenpunkte für die europäische Wirtschaft. Firmen, Investoren und Unternehmer navigieren meist aus London wichtige Verbindungen, die unter anderem bis in sämtliche EU-Mitgliedstaaten reichen. Durch die Abgrenzung Großbritanniens von der EU wird diese wirtschaftliche Infrastruktur geschwächt – ja vielleicht in einigen Fällen sogar ausgelöscht. Als Konsequenz ist es wahrscheinlich, dass Frankfurt als schon etablierte Wirtschaftsmetropole durch eben genau diese schon existierenden wirtschaftsfreundlichen Strukturen Platz bietet, um oben genannte Verknüpfungen von dort aus zu steuern und folglich ein höheres Wachstum verbucht. Lohnt sich nun also jetzt der Immobilienkauf in Frankfurt? Vieles spricht dafür, dass sich der Erwerb einer Immobilie, eines Grundstücks oder Wohnung rentieren würde. Auch eine Umfrage der Unternehmensberatung EY unterstützt die Hypothese, dass der Brexit einen Einfluss auf die Immobilienlandschaft in Frankfurt haben kann. In der Woche nach dem Brexit- Referendum befragte EY 555 Akteure des deutschen Immobilienmarkts zu deren Einschätzung in der Diskussion, ob der Brexit einen Einfluss auf die deutsche Immobilienbrache haben wird. Die Ergebnisse zeigen, dass 69 Prozent aller Firmen, die den Hauptsitz in Großbritannien haben, Frankfurt als Hauptprofiteur sehen. 57 Prozent der Immobilienexperten erwarten einen deutlichen Preisanstieg in ganz Deutschland und nur 38 Prozent sehen einen Anstieg für den Rest der EU. Hinzukommt, dass eine deutliche Mehrheit von 91 Prozent der Meinung ist, dass die Preise aus dem britischen Immobilienmarkt sinken werden. Doch es ist Vorsicht geboten: Gerade in Städten wie Frankfurt, in denen es ohnehin durch den Immobilienboom steigende Preise gibt, werfen jene Immobilien nur wenig Rendite ab. Außerdem ist noch lange nicht jeder von einer so deutlichen Wirkung auf den deutschen Immobilienmarkt überzeugt. Einige Experten machen auch auf die akademische Exzellenz der Hauptstatt Großbritanniens aufmerksam. Denn auch wenn wichtige wirtschaftliche Verbindungen minimiert werden könnten, glänzt London immer noch mit guten Universitäten und Forschungsinstituten, ist daher ein bedeutender Pool aus dem Unternehmen ihre künftigen Manager rekrutieren. Auch die EY- Umfrage spiegelt eine gewisse Unsicherheit wieder, so sind bspw. 40 Prozent nicht sicher, welche Folgen der Brexit für ihr Unternehmen haben werde. Noch ist es also nicht wirklich möglich eine Prognose abzugeben, ob Frankfurt nun der Geheimtipp für Immobilieninvestoren ist. Das hängt damit zusammen, dass die Verhandlungen über die Zusammenarbeit zwischen der EU und Großbritannien trotz Brexit noch nicht abgeschlossen sind. Weiterhin ist es nicht sicher, ob Frankfurt als Hauptprofiteur da stehen wird. Es gilt also einen Schnellschuss zu vermeiden und sich bei der Entwicklung rund um das Thema Brexit kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten.